Förderung des Velofahrens durch Massnahmen zugunsten des Bikesharings
Ein in der Fachzeitschrift Journal of Cycling and Micromobility Research veröffentlichter Artikel analysiert 124 Studien zu Massnahmen zugunsten des Velofahrens, um die Wirksamkeit der umgesetzten Massnahmen zu ermitteln. Die Bereitstellung eines Veloverleihnetzes zu erschwinglichen Tarifen beeinflusst die Verhaltensänderung in Sachen Mobilität stärker als beispielsweise Velofahrkurse.

In diesem Artikel unterscheiden die Wissenschaftler Stefan Gössling und die Wissenschaftlerin Shawna McKinley drei Arten von Massnahmen. Als erstes nennen sie strukturelle Massnahmen wie Velostrasse und Anlagen. Zweitens verhaltensbezogene Vorstösse wie Kampagnen und Schulungsprogramme. Und drittens ressourcen- und anreizorientierte Vorstösse wie der Zugang zu E-Bikes, Subventionen und Veloverleihsysteme.
Ihre vergleichende Analyse dieser drei Typen von Anlagen lässt sie zu dem Schluss kommen, dass Anlagen zwar häufig das Velofahren auf bestimmten Strecken fördern, jedoch nicht systematisch zu einer Veränderung auf Bevölkerungsebene führen. Dies deutet darauf hin, dass bestimmte beobachtete Zuwächse eher eine Umverteilung der bestehenden Velofahrer widerspiegeln als eine neue Hinwendung zum Velofahren. Zweitens verbessern verhaltensorientierte Massnahmen zwar das Wissen, das Vertrauen oder die Fähigkeiten, führen aber für sich allein genommen nicht zuverlässig zu einem nachhaltigen Veloverhalten. Die Auswirkungen auf eine Verhaltensänderung in der Mobilität sind hingegen eher das Ergebnis einer Veränderung der Zugangsbedingungen zu dieser Fortbewegungsart. So werden Vorstösse, die auf Ressourcen und Anreize abzielen – wie der Zugang zu E-Bikes, Subventionen und Veloverleihsysteme –, am konsequentesten mit einer Zunahme des Velofahrens in Verbindung gebracht. Zusammenfassend deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine Verhaltensänderung eher dann eintritt, wenn die Rahmenbedingungen für das Velofahren verändert werden, als wenn versucht wird, das Verhalten direkt zu beeinflussen.
Aus praktischer Sicht lässt sich daraus schliessen, dass Massnahmen zur Förderung des Bikesharings durch den Abbau finanzieller Hürden die möglichen Mobilitätsoptionen verändern. Ein Beispiel ist die Stadt Luzern, die das Bikesharing in den ersten 30 Minuten gratis zur Verfügung stellt. Vorstösse zur Veränderung der Verhaltensweisen hingegen sind tendenziell in einen bestehenden Rahmen eingebettet , der weniger Einfluss auf die Mobilitätsgewohnheiten hat.
Der Artikel ist auf der Website der Zeitschrift frei zugänglich: Vorstösse zur Steigerung des Radverkehrs: Eine kritische Bewertung der Effektivität - ScienceDirect
https://www.bikesharing.ch/de/aktuelles/artikel/foerderung-des-velofahrens-durch-massnahmen-zugunsten-des-bikesharings